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Die Deutsche Wohnen ist scheiße - und nun?

In Berlin hat die Unterschriftensammlung für das Volksbegehren mit dem reißerischen Namen "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" a.k.a. Mietenvolksentscheid begonnen. Ich halte diesen Plan für ein wenig erfolgversprechendes und rachegetriebenes Unterfangen. [8] [9]

Auf Linie gebracht

Ich sitze in einem Seminar für Betriebsräte einer größeren Gewerkschaft und kurz vor dessen Ende wird ein Zettel ausgeteilt und eine Diskussion zum Thema "Das Grundgesetz feiert 70. Geburtstag! Wir feiern mit!", genau genommen zum Slogan "Eigentum verpflichtet", angekündigt.

Mein Verschwörungstheoriedetektor schlägt an, denn ich glaube nicht an Zufälle. Zunächst bin ich etwas fassunglos, bereite einen kleinen Rant vor, den ich auch vortrage und habe eine zivile Konversation mit meinen Mitmenschen im Raum.

Ausgangslage

Nicht nur der Berliner Wohnungsmarkt ist, wie es immer so euphemistisch ausgedrückt wird, angespannt.

Die Berliner Politik spielt dabei eine wichtige Rolle - sie hat diese Entwicklung in den letzten 30 Jahren munter befeuert.

Der Ausverkauf

Nach der Wende befanden sich 39 % der Ostberliner und 24 % der Westberliner, oder insgesamt etwa 482.000, Wohnungen in landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Am Ende der Nuller Jahre blieben davon noch etwa 250.000 (16 % aller Wohnungen) übrig. [7]

Die Ursachen darin liegen zum einen in der Privatisierung von Landeseigentum, zum anderen verringerte sich der gesamte Wohnungsbestand durch Abriss, Rückbau oder Umwidmungen, der soziale Wohnungsbau kam zum Erliegen.

Andere Faktoren, die zur Preis- und Mietsteigerung beitragen, sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt - Anziehen der Kaufimmobiliennachfrage aufgrund niedriger Zinsen (siehe auch Finanzkrise), Gentrifizierungsentwicklungen, Umkehr des Bevölkerungsrückganges.

Die weitreichende Privatisierungen von kommunalen Wohnungen hatten einen kurzfristigen positiven Effekt auf den notorisch klammen Berliner Haushalt, aber diese Entscheidungen waren kurzsichtig und wir müssen heute mit den Folgen leben. [6]

Der Feind

Die Deutsche Wohnen SE ist Eigentümerin von 111.500 Berliner Wohnungen und damit größte Privatvermieterin. Vor der Wohnungskrise war die DW einfach nur ein Vermieter unter vielen und Wohnungen zu mitunter relativ leicht erschwinglichen Preisen mit Ladenbüros mit zahlreichen verfügbaren Wohnungen in der Auslage und im Gegensatz zu manch privatem Vermieter mit professionellem Abrechnungsmanagement (BTDT).

In den letzten Jahren ist die Deutsche Wohnen immer wieder mit Negativschlagzeilen in der Presse aufgefallen. Häufig geht es dabei um enorme Mieterhöhungen, das Ausbleiben notwendiger Instandsetzungsmaßnahmen, das Vertreiben von Mietern durch überzogene und rücksichtslos ausgeführte Modernisierungen und dergleichen.

Die Deutsche Wohnen macht es einem wirklich einfach, ihre Enteignung zu befürworten.

Die Enteignungsargumente

"Beim Straßenbau werden auch Privatleute enteignet"

Eigentum ist grundsätzlich gewährleistet und eine Enteignung "nur zum Wohle der Allgemeinheit" zulässig (Artikel 14 GG). Artikel 15 des Grundgesetzes räumt die Überführung von Grund und Boden, Naturschätzen und Produktionsmittel in Gemeineigentum ein. [1]

Das vielzitierte Beispiel, dass dies auch bei großen Bauvorhaben möglich ist, lässt sich mit einem "Ja, aber" ergänzen. [17] Im Baugesetzbuch heißt es nämlich auch

§ 87 (1) Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Enteignung [16]

Die Enteignung ist im einzelnen Fall nur zulässig, wenn das Wohl der Allgemeinheit sie erfordert und der Enteignungszweck auf andere zumutbare Weise nicht erreicht werden kann.

Dies halte ich für eine vorhersehbare Argumentationslinie: der Berliner Senat wird in einem Verfahren, und die Deutsche Wohnen wird sich nicht widerstandslos enteignen lassen, vermutlich darlegen müssen, dass es sich hierbei um die letzte Maßnahme handelt, die ihm geblieben ist und alle anderen Mittel ausgeschöpft sind. Das wird schwer.

Es ist zudem extrem zynisch, enteignete Privatpersonen hier als Argumentationshilfe anzuführen.

Solche Verfahren ziehen sich in der Regel über Jahre dahin und die Betroffenen versuchen alles, um sich dagegen zu wehren bzw. das beste aus der Situation zu machen. Im Fall von Umsiedlungen ganzer Ortschaften etwa für den Braunkohletagebau war dies in der Vergangenheit mit großen, auch persönlichen Dramen verbunden.

Und diese werden nun als argumentative Schutzschilde hergenommen. Das ist so respektlos und niederträchtig, dass mir die Worte fehlen.

"Es betrifft nur Eigentümer mit mehr als 3.000 Wohnungen"

Mal provokant gefragt: Wie lange, meint ihr denn, wird es dauern, bis es lauter eigenständige Wohnungsunternehmen im Besitz von jeweils 2.800 Wohnungen geben wird?

Wie soll dies unterbunden werden und wie naiv seid ihr eigentlich?

Bremsen und Verbote

Die Berliner Politik hat angesichts der sich zuspitzenden Lage auf dem Immobilienmarkt in den letzten Jahren versucht, mit dem Gesetz zur Mietpreisbremse [10] und dem Zweckentfremdungsverbotsgesetz dagegen zu wirken.

Das Problem bei der Mietpreisbremse ist, dass sie sich leicht umgehen lässt [11] und das des Zweckentfremdungsverbots, also das Verbot des kurzfristigen Vermietens von Wohnraum als Ferienwohnungen, dass es schwierig zu kontrollieren und ebenfalls umgehbar ist. [13] [14]

Was im Ansatz richtig ist, erweist sich in der Ausführung als zäh. Zwar hat laut einer Untersuchung des DIW eine Verlangsamung des Mietanstiegs [12] und auch ein leichter Rückgang der Airbnb-Angebote stattgefunden [15], doch das Ergebnis kann nicht befriedigen.

Die Kosten

Der wunde Punkt - was kostet denn so eine Enteignung?

Grundgesetz Artikel 14 (3) [1]

Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

"In aller Regel wird der Eigentümer mit dem Verkehrswert entschädigt, den sein Eigentum zum Zeitpunkt des Enteignungsbeschlusses hatte." [2]

Wenn man als Entschädigungsgrundlage einen derzeitigen Preis von 4.000 €/km² annimmt [3], bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 50 m², ergibt dies:

\begin{align*} \sum &= \text{Preis pro m²} * \text{durchschnittliche Wohnungsgröße} * \text{Anzahl Wohnungen}\\ &= 4.000 * 50 * 111.500\\ &= 22.300.000.000 \end{align*}

Selbst bei dieser vorsichtigen Schätzung von Wohnungsgröße und Preis kostet die Enteignung der Deutschen Wohnen allein über 22 Milliarden Euro.

Das sind 22 Milliarden Euro Kapital für die Deutsche Wohnen.

Das sind 22 Milliarden Euro, ohne eine einzige zusätzliche Wohnung geschaffen oder eine bestehende instandgehalten oder modernisiert zu haben.

Mit 22 Milliarden Euro könnte man im kommunalen und sozialen Wohnungsbau richtig was reißen.

Inzwischen liegt eine offizielle Kostenschätzung seitens des Senats vor. Diese kommt zu einer Annahme von 20 bis 40 Milliarden Euro, kreditfinanziert über 45 Jahre, für die in Frage kommenden über 200.000 Wohnungen. Die Initiative des Volksbegehrens rechnet hingegen mit nur 7,3 bis 13,7 Milliarden Euro. [18] [19]

Schlusswort

Die Wohnungsnot ist real und der Berliner Senat hat in dieser Sache nicht nur versagt, sondern vorsätzlich zur aktuellen Situation beigetragen.

Das große Verscherbeln kommunalen Eigentums trotz abzusehender Entwicklung (globale Verstädterung) und Einstellen des sozialen Wohnungsbaus, die schwach wirksame, weil leicht umgängliche Mietpreisbremse und ein de facto nicht durchgesetztes Zweckentfremdungsverbot für Wohnraum sind die vier großen Versäumnisse.

Nach so viel politischen Versagens ist mir völlig schleierhaft, wie man jetzt von genau dieser Institution einen Erfolg bei einem so heiklen Thema wie der Enteignung erwartet.

In diesem aktuell noch sehr hypothetischen Enteignungsverfahren ist völlig unklar,

  • ob eine realistische Chance besteht damit durchzukommen [4] [5],
  • wie lange dieses dauern wird,
  • welche Kosten zu erwarten sind.

Die Deutsche Wohnen ist ein einfaches Feindbild, das Unternehmen tut viel, um seinem negativen Image gerecht zu werden.

Aber: es hat keinen Sinn, ein Exempel zu statuieren und einen Pyrrhussieg zu erringen.

Berlin hat die halbe Stadt verkauft und kauft sie dann wieder zurück, weil es den "Druck der Straße" gibt? Welch großartige Verhandlungsposition ergibt sich daraus für die Deutsche Wohnen? Kauft Deutsche Wohnen-Aktien!

Und das wird gefeiert?

NoN: v0.7 release

Search and Popovers

The latest release of my GTK+ client for Nikola features a brand-new search function and some GUI enhancements.

/images/non/main07.png

NEW: search function

This is quite self-explanatory: you can find strings in posts, pages and listings.

/images/non/search07.png

NEW: Popovers

All menus and context menus are GtkPopovers or GtkPopoverMenus now to follow the guidelines and for a better desktop integration. Popovers do not extend the main window's dimensions like menus sometimes do. They look better as they are larger and point to their parent widget/origin (so right-click context menus do not appear kind of 'lost' on the screen anymore).

/images/non/preferences07.png/images/non/ref_menu.png

There is also a new Popover hiding behind the "Status" button which displays the output of nikola status.

This helps to show and resolve errors and warnings which may occur p.e. due to Nikola upgrade.

/images/non/status_popover.png

Changelog

  • Fixes:
    • all issues regarding non-flat file structure
    • get paths and extensions for posts and pages from conf.py so files are shown that are stored aside from the default folder structure
    • remove tags/categories with zero occurences
    • quit preview if other menu items are clicked
    • return from console to main window after command execution is done
  • New:
    • search function: find strings in posts, pages and listings
    • menu button to open application config file
  • Updates:
    • all menus are Popovers/PopoverMenus now
    • localization strings
    • screenshots

Love Boat - The Real Story. Seetag

Tag 14. Heimkehr

Seetag

Deck 11 mit Joggingparcours (rutschfest)

Die letzte Gelegenheit für Verabschiedungen und Seekrankheit. Ich drehe die übliche Morgenrunde und mache noch ein paar GoPro-Aufnahmen. Es ist seltsam anmutende Gewissheit, dass man die Leute alle nie wieder sehen wird, aber ich bin auch froh, endlich mal wieder meine Ruhe haben und meinen eigenen Rhythmus leben zu können.

Das Deck ist gegen Mittag völlig überfüllt. Alle sitzen in Decken gehüllt draußen und genießen die Sonne. Dazu gibt es mal wieder eine Pooldeckaktion, das heißt, es wird gefressen und einer der sympathischeren Unterhaltungsbeauftragten, René, moderiert routiniert weg, was gerade anliegt, in diesem Fall irgendwas mit Wichtelgeschenken.

Auch wenn ich auch gern noch etwas Sonne genossen hätte, treibt mich die Masse an Menschen zunächst erstmal ins Innere. Da wird sich doch nicht gerade ein kleiner Lagerkoller in meinem Kopf ausbreiten? Ach nein, ich bin einfach nur regulär genervt über jeden und alles und überhaupt war die Reise mindestens zwei Wochen zu kurz!

Am Abend kippen wir noch die Flasche Prosecco, die sich K. und M. am zweiten Tag ertanzt haben und die Mädels anschließend noch ein letztes Getränk in der AIDA Bar.

Abschied

Heavy load.

Am Morgen herrscht geschäftiges Treiben überall. Jeder musste früh raus, das Gepäck wird in den Gängen eingesammelt, ein letztes Frühstück, ein letzter Kaffee in der AIDA Bar, während wir auf die Gepäckfreigabe warten.

Als wir von Bord gehen, kommen uns schon die nächsten entgegen. Es wird geladen - Menschen, Ladung, Treibstoff - heute abend geht es wieder los.

Epilog

M. fährt mich nach Hause. Es ist Samstag Mittag und Berlin ist auf den Beinen. Es hupt. Ach ja, Berliner Straßenverkehr: Platz da, hier komm icke! Ich laufe die letzten paar Meter bis zur Haustür, sehe ein paar Gestalten in Hochwasserhosen und übergroßen Filzmänteln. Mein Gehörgang wird ohne Vorwarnung getroffen von dem dämlichen, lauten "you know, you know...like, like, you know"-Englisch der kaliformischen Expats. Was hab ich es vermisst...

This is the end.

Heute Abend gibts Schawarma von Al Safa. Dann schreibe ich meinen Reisebericht und danach warten 75 GB GoPro-Material auf ihre Sichtung.

Ha det bra!

Love Boat - The Real Story. Bergen

Tag 13. Die Stadt des Regens

Boot und Bergen

Bei schönstem Sonnenschein fahren wir langsam in die Fjorde ein und legen gelassen in Bergen an. Wir haben nur ein paar Stunden Aufenthalt und da die jeder so gut wie möglich nutzen möchte, stürmen die Passagiere fluchtartig von Bord, sobald auf Deck 3 die Planke ausgefahren ist.

11th deck is best deck.

Regenfakten

Wie ist das denn jetzt mit dem Regen in Bergen? Einerseits heißt es, Bergen wäre die regenreichste Stadt Europas, dann wieder erzählen reproduzierbar Guides, darauf solle man nicht so viel geben, in Halle (Saale) würde es ja viel mehr regnen. Ja was denn nun?

Regentage und Regenmenge

In Bergen regnet es häufig. Auch wenn es in anderen europäischen Städten vergleichbar häufig oder gar an noch mehr Tagen im Jahr regnet, es regnet dann auch noch viel.

Bergen ist mengenmäßig die regenreichste Stadt Europas und damit zehntregenreichste Stadt weltweit. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 2.250 mm pro Jahr. Andere regenreiche Städte wie etwa Glasgow kommen mit mehr Regentagen (etwa 260) auf gerade mal etwas über 1.000 mm Niederschlagsmenge.

Wie ist das denn jetzt mit Halle?

Regen verhält sich zu Halle wie Spinat zu Eisen. Einmal hat sich irgendwo eine falsche Zahl eingeschlichen und zack: für immer im Regen stehen. Dass Halle die regenreichste Stadt Deutschlands oder gar Europas sein soll, erweist sich nach kurzer Suche als eine klassische Falschmeldung.

Die Quelle dieses Gerüchts ist vermutlich diese Statistik aus dem Jahr 2004, in der Halle a.d. Saale alle Städte der britischen Inseln hinter sich lässt und das, obwohl sich die Stadt im Regenschatten des Harz befindet. Sowohl die Anzahl der angeblichen Regentage stimmt nicht, auch die Regenmenge ist mit unter 500 mm pro Jahr deutschlandweit unterdurchschnittlich.

Today I learned:

Bergen IST die regenreichste Stadt Europas und wer das von Halle an der Saale behauptet, ist Fakenews aufgesessen!

Links

Auch mal nach unten schauen...

Fløyen

Mein gebuchter Ausflug wurde abgesagt. Für den geplanten Spaziergang auf dem Fløyberg hatten sich nicht genügend Leute gefunden. Damit habe ich eine Ausflugsquote von 1:3. Die Nordkapbesichtigung hatte glücklicherweise geklappt, die Trollfjordbootsfahrt leider nicht, da wir Sortland nicht anfahren konnten und nun das.

Eine kurze Recherche später entschließe ich mich dazu, den Fußmarsch einfach allein auf mich zu nehmen (Walk like a Norwegian up Floyen in Bergen). Ich laufe also los Richtung Innenstadt, ein wenig ziellos hin und her, um dann grob in Richtung Berg eingzuschlagen. Das ist auch nicht allzu kompliziert, da Bergen von sieben Hügeln umgeben ist, es also in jede Richtung irgendwo nach oben geht.

*Nur echt mit Möwe: Denkmal dem Dichter Ludvig Holberg zu Ehren.

Ich schlage also einen südöstlichen Wanderweg nach oben ein und auf halber Strecke fällt mir ein, dass ich eine wirklich gute Gelegenheit verpasst habe, Strava anzuwerfen. Irgendwann treffe ich auf den offiziellen Weg nach oben, auf dem viele Menschen in beide Richtungen unterwegs sind. Manche behaupten, ich hätte einen ziemlich schnellen Laufschritt. Diese Leute haben noch keine Norweger laufen sehen. Generell habe ich in der letzten Woche so viele Leute Hügel hoch- und herunterjoggen gesehen, dass ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass die Norweger ein sportbesessenes Volk sind. Hört auf, so fucking sympathisch zu sein, sonst komme ich wieder!

Ankes Tipp

Der Spaziergang hoch zum Fløyberg erfordert passendes Schuhwerk und ein wenig grundlegende Kondition, es sind schließlich 320 Höhenmeter bis zur Aussichtsplattform. Man sollte etwa 1,5 Stunden für den Aufstieg einplanen. Da, wenn man nicht auf einer ausgeschilderten Route unterwegs ist, gelegentlich in Sackgassen landet, ist es hilfreich, eine Karten-App zur Hand zu haben.

Jump around. 1004 km bis Berlin, 3 m bis zum Raucherbereich. Hanggrün.

Bye bye, Bergen

Der Sonnenuntergang macht Drama. Ja, ich möchte auch gern noch bleiben...

Am Abend verlassen wir Bergen und es manifestiert sich die Gewissheit, dass wir nun fast schon zu Hause sind. Wir gehen in die Bar und später für etwas Frischluft an Deck. Am Horizont winkt uns ein letztes mal schemenhaft das Polarlicht zum Abschied zu. Genug mit dem Kitsch jetzt.

Love Boat - The Real Story. Bye Trondheim

Tag 12. Trondheim

Da mein Strava-Spaziergang dann doch optisch nicht so der Brüller war (wir waren einfach zu schnell), wollte ich das heute während des Liegens im Hafen mit einer Laufrunde nachholen. Doch ich hatte die Rechnung ohne die gesperrten Decks gemacht. Gut, dann schaue ich mir eben das triste Trondheimer Hafengelände an, macht ja auch nichts.

Souvenirjagd

Nach dem Frühstück geht es erneut in die Stadt. Ich drehe noch eine große Runde auch hoch zur Kristiansten festning, von der aus man angeblich einen großartigen Blick auf die vorgelagerte Insel Munkholmen mit seinem ehemaligen Kloster/Festung/Gefängnis. Falls man nur deswegen dort hoch geht, kann man sich das sparen, vom Schiff aus hatte man einen Premiumblick in dieser Hinsicht.

Als Souvenirshop habe ich einen Laden der Supermarktkette Rema 1000 auserkoren. Ich kaufe mehr Brunost, Lefsegodt und Tubenkäse, so viel ich tragen kann. Ich meine, ein Grinsen im Gesicht der Kassierin gesehen zu haben. Du må ikke dømme meg, jeg trenger bringe suvenirer til venner mine tilbake i Tyskland.

Souvenirs

Gegenteiltag

Ein Typ fährt mit dem Rad vor den Supermarkt, steigt ab, lehnt das Rad an und geht hinein. Mein Gehirn kann das nicht verarbeiten.

WTF

Alle an Bord

Um 14 Uhr soll es weitergehen nach Bergen, doch durch den starken anlandigen Wind ist es uns nicht möglich abzulegen. Angesichts der vergangenen Tage unken die ersten bereits, dass auch Bergen für uns wohl ins Wasser fallen würde. Gegen 16 Uhr erwischt die Brücke das langersehnte kurze Abflauen des Windes und wir sind frei und werden voraussichtlich pünktlich in Bergen ankommen.

Sind wir noch da?

Geh mir weg

Auf einem Kreuzfahrtschiff wird man mit verschiedenen Grenzen seiner Komfortzone konfrontiert. Da wäre zum einen die offensichtlichste: Wasser. Davon abgeleitet ergibt sich die zweite: die Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Ebenfalls eine Folge daraus ist der Überdruss an den anderen Menschen. Dieser Zustand hat sich glücklicherweise erst in den letzten Tagen der Reise bei mir eingestellt.

Als Passagier hat man im Gegensatz zur Crew viel Freizeit. Aber korrektes Freizeiten will gelernt sein. Neben dem physiologisch inaktiven Freizeiten wie lesen, zuhören, schauen und essen bleibt noch das Yang, das physiologisch aktive Freizeiten. Dies ist limitiert auf das Sportstudio und das Herumlaufen auf dem Schiff. Der Mensch ist rundherum ein Gewohnheitstier und so adaptierte ich schnell gewisse Gewohnheiten. Aber nicht nur ich.

The Hunger Game

Ein Grund für den exzessiven Bewegungsdrang ist die bis auf kurze Pausen vorhandene Präsenz von Essen. Man möchte annehmen, dass dies aufgrund dieser Umstände eine periphäre Angelegenheit wäre. Zu meiner Überraschung ist dem nicht so. Ab 7 Uhr gibt es Frühstück, ab 6:45 Uhr sammeln sich Leute vor dem Restaurant. Ab 11:00 Uhr gibt es eine Themenaktion auf dem Pooldeck und das Pooldeck ist voller Menschen, die nach dem Themen-Snack anstehen. Um 12:30 Uhr öffnen die Pforten zum Mittagessen, ab 12:15 Uhr stehen Leute vor dem Restaurant. Gegen 12:20 Uhr leert sich langsam die bis dahin vollbesetzte AIDA Bar, ergänzt durch Durchlaufverkehr in Heck-Richtung. Dasselbe findet noch einmal um 18:00 Uhr statt. Ebbe und Flut. Dazwischen grast der Heuschreckenschwarm noch Kaffee und Kuchen im Calypso ab (siehe Tag 2). Sind das eigentlich immer dieselben Menschen, die ganz offensichtlich mehrmals täglich kurz vor dem Hungertod stehen?

Aus dieser Beobachtung bzw. Erfahrung folgt auch, dass sich das Zeitfenster der Nahrungsaufnahme absurderweise immens verkleinert, wenn man zum einen einen Sitzplatz bekommen möchte und zum anderen zur Stressvermeidung (wir sind schließlich im Urlaub hier) einem großen Andrang am Buffet entgehen möchte.

AIDA-Feedback

Ich weiß nicht, ob man diesen Konflikt auflösen kann, schließlich kann man die Menschen nicht ändern. Aus persönlicher Sicht und ohne die Erwartungshaltung meiner Mitreisenden zu kennen, würde ich behaupten, dass das Kaffee- und Kuchen-Buffet und die Poolaktionen am Tage überflüssig sind.

Love Boat - The Real Story. Trondheim

Tag 11. Vakker byen

Wir sind seit eineinhalb Tagen auf See und das Schiff wird kleiner. Gerade bei schwerem Seegang ist die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, weil dann die Außendecks zum großen Teil gesperrt sind (Deck 6 und 11, Deck 10 nur ein paar Meter neben den Türen zum Luft schnappen offen). Morgens schwinge ich mich also in das Hamsterrad auf Deck 9 und nach der verdienten Dusche noch auf einen Morgenspaziergang nach draußen. Also: - aus der Kabine raus, eine Etage nach oben laufen, Staubsaugercrew grüßen - auf Deck 6 raus und eine Runde herumlaufen (oder zwei), die Außendeckwartungscrewleute grüßen (halten die mich inzwischen für bescheuert?) - die Treppe am Heck nehmen, an der Ocean Bar vorbei, andere Seite weiter nach oben, am Calypso auf Deck 9 vorbei und weiter nach oben - Deck 10, die Raucher bei Morgenkippe und -kaffee grüßen, einmal am Pooldeck rum, Aufräumcrew grüßen (halten die mich...?) - Treppe nach Deck 11 nehmen, mindestens zwei Runden drehen mit Abstecher nach Deck 12 - das Ganze wieder zurück Wie ein Knasti auf Hofgang.

Am Abend machen wir endlich in Trondheim fest und werden bis zum frühen Nachmittag bleiben. Der stürmische Seetag hat alle landhungrig gemacht und so entern nach dem Abendessen Scharen von Passagieren und einige Leute von der Crew die fast leere Stadt.

Nidarosdomen

Wo sind wir hier eigentlich?

Wir gehen Richtung Innenstadt, vorbei am illuminierten Nidarosdomen, über Brücken und hin und her. Seltsam erscheint uns die Vertrautheit der Stadt. Während bisher die Ort- und Landschaften sehr andersartig waren, erinnert Trondheim im Stil straßenzugweise mehreren von uns unabhängig voneinander an die Stadt Potsdam. Es ist so seltsam, dass wir an manchen Stellen stehen bleiben und völlig verblüfft sind. Davon abgesehen, dass Trondheim und Potsdam keine direkte Verbindung miteinander haben, gibt es doch einige Parallelen, die dieses Trugbild und die Konvergenz bei der städtischen Entwicklung fördern: * beide Städte sind quasi gleich alt * sie sind vergleichbar groß in der Einwohnerzahl * sie sind von viel Wasser umgeben * sie verfügen über ein Straßenbahnnetz * sie gelten als Kulturstädte * Trondheim war lange Hauptstadt des Landes, Potsdam offizielle Residenzstadt des Königreich Preußen

Trondheims nette Ecken

Absacker

Nach der Rückkehr zum Schiff machen wir Pläne für den nächsten Tag und verabreden uns in der AIDA Bar. Die Schiffsband spielt Klassiker mit Crewmitgliedern und wir trinken Bier. Ich habe den Trollfjord schon vergessen.

Tagesplaner im Bordportal und tägliche Info in Papierform

Love Boat - The Real Story. Tromsø

Tag 8. Tromsø rain, Tromsø rain

Mittags erreichen wir den Hafen der größten nordnorwegischen Stadt Tromsø, wo wir einen ganzen Tag Aufenthalt genießen. Vom Liegeplatz bis in die Innenstadt ist ein Busshuttle eingerichtet.

Empfang!

Ich laufe durch die Stadt, überquere natürlich die Tromsøbrua (Tromsøbrücke) bis zur Ishavskatedralen (Eismeerkathedrale).

Es regnet bei Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt und der komprimierte Schnee hat sich durch wiederholtes Antauen und Gefrieren in dicke Eisplatten verwandelt, die nun abtauen. Man läuft also auf wasserbedecktem Eis, das von tiefen Pfützen umrahmt wird, die von schnell fließendem Schmelzwasser genährt werden. Am Abend sind meine Schuhe durch.

Die vertagte Polarkreistaufe wird nun heute nachgeholt, wegen des Regens allerdings nicht auf dem Pooldeck, sondern in der AIDA Bar. Manche dieser Aktionen lassen erahnen, wie ballermanesk es beim schwimmenden Cluburlaub sonst üblicherweise zugeht. Ich verziehe mich alsbald.

Ein Teil unserer Reisegruppe geht später noch ins Konzert in die Eismeerkathedrale und ich früh zu Bett.

Alles ganz schön hier und andere Reedereien haben auch schöne Schiffe (Ja, das ist die "Viking Sky").

Tag 9. Sortland calling

Es regnet. Wir liegen immer noch in Tromsø und ich bin mal wieder in der Stadt unterwegs. Ich kaufe Postkarten, die ich beim nächsten Landgang einwerfen möchte. Es regnet.

Wir legen ab mit Ziel Sortland. Ich verbringe den Nachmittag mit Kaffee, Kreuzworträtsel und Kartenschreiben. Bester Urlaub aller Zeiten.

Tag 10. A storm is coming

Der Wecker klingelt in aller Früh', denn mein Landausflug zum Trollfjord geht um 8:00 Uhr los. Ich sitze mit anderen Ausflüglern am Frühstückstisch und wir verabreden uns für später. Nun, kurz vor 9 Uhr wird klar: es wird keinen Trollfjord geben. Es wird kein Sortland geben.

Wegen des Seegangs und des Windes können wir nicht in Sortland anlegen und erfahren im Laufe des Vormittags, dass wir einen vorgezogenen Seetag einlegen und direkt nach Trondheim durchfahren. Das Schiff rollt sich gemächlich durch den Atlantik und fordert zahlreiche Opfer, die in ihren Kabinen ausharren, bis es besser wird. Freie Platzwahl in den Bars.

In mir verbreitet sich eine leicht sentimentale Stimmung. Mehr als die Hälfte der Reise liegt hinter uns, wir fahren südwärts, es liegen nur noch zwei Stopps vor uns, bevor es in einer weiteren Tagesreise zurück nach Hamburg geht.

Mein Gehirn kann den Gedanken noch nicht ganz verarbeiten, dass in wenigen Tagen, nachdem man für zwei Wochen auf diesem Schiff mit hunderten von Menschen zusammengepfercht war und jeden Tag dieselben Leute gegrüßt und mit einigen einen kurzen Schwatz auf dem Flur gehalten hat (Hello Katrina!) die Wahrscheinlichkeit gegen Null geht, irgendjemanden von ihnen jemals wieder zu sehen. Die Gäste fahren nach Hause und machen da weiter, wo sie vor Hamburg aufgehört haben und die Crew sieht für zwei Wochen die nächsten Gesichter und macht da weiter, wo sie vor Hamburg aufgehört hat, nämlich sich ohne Unterlass den Arsch abzurackern (Kudos to all of you).

In diesem Zusammenhang erscheint es bizarr, Verkumpelungsversuche bei Gästen zu sehen. Wie funktioniert das? Machen die so häufig Kreuzfahrten, dass die immer wieder den gleichen Crew-Leuten über den Weg laufen? Ich kenne solche freundschaftlichen Annäherungsversuche aus meiner eigenen Tätigkeit im Kundenservice. Es liegt in der Natur der Sache, mit einigen Menschen näher auf einer Sympathieebene zu sein als mit anderen. Und bei diesen ist man auch zu einem gewissen Grad bereit, auf einer persönlicheren Ebene zu kommunizieren, ohne dabei die Grenze der Professionalität zu überschreiten.

Auf einem Kreuzfahrtschiff ist die Situation völlig zugespitzt. Als Gast mache ich vielleicht die Reise meines Lebens, bei der jeder Tag aufregend ist. Für die anderen Gäste bist du der nervende Nachbar mit dem komischen Dialekt oder der nette Zufallsgesprächspartner beim morgendlichen Rundgang an Deck. Für die Crew bist du diejenige, die für zwei Wochen ihre Klamotten auf dem Sofa in der Kabine verteilt, in den nächtlichen Morgenstunden durch das Schiff schlendert und an der Bar Ipanema ohne Zucker und noch mehr Espresso trinkt. Bis die nächsten kommen.

Love Boat - The Real Story. Honningsvåg

Tag 6. Das Ende der Welt

Der vergangene lange Tag bringen mich dazu, bis 7 Uhr auszuschlafen. Wir werden noch bis zum Abend auf See unterwegs sein und dann im Hafen von Honningsvåg übernachten.

Alle sind nach den Erlebnissen bester Stimmung. In unserer Reisegruppe ist aktuell niemand seekrank und auch unser Jüngster scheint sich nach Anlaufschwierigkeiten etwas eingelebt zu haben, er klatscht zum Frühstück das Personal ab und verabredet sich für später im Kids Club.

Nordkapumfahrung in mystischem Licht

Am Nachmittag passieren wir das Nordkap bei Sonnenuntergang. Die Sicht ist klar und man kann von weitem die Nordkaphalle und den Globus sehen. Ich stehe fast eine Stunde auf Deck 6 und genieße die Aussicht.

Später wird es windig und es schneit. Die nächtlichen Nordkaplandausflüge werden abgesagt, weil die Straße aufgrund des Schneegestöbers nicht freigegeben ist. Ob der Ausflug morgen klappt, ist noch unsicher.

K. und ich schlendern durch das leere Honningsvåg. Wir schauen uns genauer das Schiff an und sehen: hinter unseren Kabinen befindet sich der Crew-Nachtclub, das erklärt einiges...

Honningsvåg im Schnee. Ein Schiff.

Dann grüne Schleier. Polarlichter. Als wir aufs Schiff zurückkehren, geht das Spektakel richtig los. Grüne, auch ein wenig rote Nordlichter tanzen stundenlang für uns am Himmel.

Not all heros wear capes. Bamse, the canine war hero.

Tag 7. Nordkapp

Es liegen zwei perfekte Polarlichtkreuzfahrttage hinter uns. Alles, was nun noch folgt, ist nur noch Deko auf dem Sahnehäubchen.

Es geht auf zum Landausflug zum Nordkap, das wir bereits gestern von der Wasserseite zu sehen bekamen. Dort oben war es kalt und windig und die Sicht war klar und so war der Ort auch ohne Mitternachtssonne definitiv den Besuch wert.

Hilsener fra Nordkapp! Touristenlevel over 9000!

Gegen Abend wird der Seegang wieder rauher und so lasse ich den Tag gemütlich in der AIDA Bar ausklingen.

Es ist alles so furchtbar...

Love Boat - The Real Story. Bodø

Tag 5. Land in Sicht

Mit einer frühmorgendlichen Sportrunde lasse ich den Tag beginnen. Als das Schiff sich dann langsam unserem zweiten Hafen Bodø nähert, bietet sich um uns herum ein atemberaubend schönes Panorama. Dieser Tag verspricht großartig zu werden.

Postkartenmotiv

Nach der letzten unruhigen Nacht sind die Passagiere heiß darauf, das Schiff zu verlassen. Die Ausflugsbusse stehen bereit und trotz der Information, dass Bodø eine hässliche Stadt sei, macht sich unsere Reisegruppe zum üblichen Fußmarsch auf.

Die angepriesene Hässlichkeit der Stadt ist ihrer nahezu vollständigen Zerstörung bei einem deutschen Luftangriff im Jahr 1940 geschuldet. Viele Gebäude wurden durch eher untraditionelle Gebäude ersetzt und so erinnert die zentrale Fußgängerzone an die deutscher Städte.

Auch in einem Reisebericht, den ich nach der Rückkehr las, war man geradezu empört, in dieser unansehnlichen Stadt Halt gemacht zu haben. Das hat mich im Nachhinein nochmal zusätzlich verärgert: will man auf so einer Reise nun Land und Leute sehen oder was? Norwegen ist wie der Rest der Welt kein Märchenland und besteht aus mehr als schöner Landschaft und überteuerten Schlittenhundfahrten für Touristen.

Wenn man ein wenig die Augen aufmacht, kann man auch in Bodø Entdeckungen machen, etwa die lokalen Streetart-Kunstwerke.

Streetart: "Malstrøm" von David de la Mano

Während unseres Erkundungsrundgangs erspähe ich einen Supermarkt - es ist Zeit, mein Norwegisch auf die Probe zu stellen und norwegische Spezialitäten zu erwerben: Brunost (brauner Käse) und Lefsegodt (weiches Gebäck mit einer Art Frischkäsecreme).

Geht ne Deutsche in Norwegen in einen Kiosk. Hitler. ROTFL. (leider etwas unscharf)

Am Nachmittag gehe ich noch einmal allein durch die Stadt, genieße die Unbekanntheit der Umgebung, gehe neugierig durch die Straßen und bin pünktlich zum Abendessen zurück an Bord.

Oh, wie schön ist Bodø

Leinen los, wir fahren weiter nach Norden!

Ankes anekdotischer Tipp

Ab dem dritten Tag vermisste ich das Radfahren. In Kombination mit der Neigung, die Umgebung selbständig zu erkunden, durchfuhr mich ein Gedanke: Ein Faltrad hätte man mitnehmen sollen. Je Passagier kann man zwei große Gepäckstücke aufgeben. Wenn man wie ich mit einem auskommt, sollte es theoretisch kein Problem sein, ein ordentlich verpacktes Faltrad (± 12 kg) mitzunehmen. Dies vergrößert den eigenen Radius an Land ungemein.

Die Nacht der Nächte

Der Abend beginnt ruhig. Dies sollte sich allerdings innerhalb kürzester Zeit ändern. Seit der diffizilen Wetterlage am zweiten Seetag sind wir Bordportal-süchtig - Geschwindigkeit, Kurs, Wind, wir sind informiert.

K. traut ihren Augen kaum: auf dem Bild der Bugcam sieht man grüne Schleier am Himmel. M. wird nach oben geschickt, um die Lage zu evaluieren. In Ungläubigkeit und Aufgeregtheit ziehe ich mich warm an.

Wir betreten Deck 11, dort haben sich bereits einige Leute mit ihrem teuren Fotoequipment in Position begeben. Der Himmel ist bewölkt, einen Tag vor Vollmond strahlt der Mond die Meeresoberfläche und Landmassen der Lofoten an. Das allein erzeugt eine atemberaubende, mystische Atmosphäre.

Es wird getuschelt, man schielt sich auf die Displays. Jemand zeigt auf sein Kameradisplay und sagt "Da ist es." Wir starren in den Himmel und sehen: nichts.

Wir starren weiter und beginnen, einen Unterschied zwischen den vom Mond hell angeleuchteten Wolken und diffusen Schleiern zu sehen. Ja, die Schleier sind grünlich und sie bewegen sich leicht. Das soll es also sein?

Wir verharren weiter in der Winternacht erstarrt im Starren in den Nachthimmel. Die Wolken lichten sich tatsächlich. Die Wettervorhersage sagt für die nächsten Tage Wolken und Niederschläge an, das Islandtief zieht uns immer noch hinterher, und so fällt irgendwo der Satz "Heute ist die Nacht der Nächte."

Deck 11 erwacht zum Leben. Die Sichtung der Polarlichter wird in den Bauch von Stahl-Moby Dick weitergetragen. Die Kälte treibt die Leute immer wieder zum Aufwärmen hinein und der Grund dieser Reise wieder hinaus.

Der Himmel gibt grünes Licht. Frost und Freude, die treuen Begleiter der Polarlichter, bleiben uns bis etwa 2 Uhr erhalten.

Was für ein großartiger Tag.

Love Boat - The Real Story. Seetag

Tag 4. Ahoi!

Am Morgen treibt es mich raus und ich drehe vor dem Frühstück eine Runde an Deck. In der Anytime Bar gibt es Kaffee für Frühaufsteher. Ich grüße die herumstehenden Raucher im Vorbeigehen. Nach dem Frühstück okkupiere ich mit Buch und in Decken gehüllt eine Sofaecke draußen auf Deck 11. Es ist windig, wolkig, etwas schön, aber auch ein wenig kalt.

Die Gelbdecken demonstrieren für mehr Entspannung und besseres Wetter.

Das Wetter wird zunehmend schlechter und so verziehe ich mich am frühen Nachmittag und suche im Inneren nach einem ruhigen Plätzchen. Dies erweist sich als gar nicht so einfach, aber die AIDA Bar kristallisiert sich aus verschiedenen Gründen als ein Hauptaufenthaltsraum heraus. Ich bin so inaktiv, dass ich das Mittagessen ausfallen lasse. Es setzt leichte Gereiztheit bei mir ein. Am Nachmittag steht wieder Edutainment auf dem Plan und der Ausflug zum Nordkap wird gebucht.

Ein Tourist tut, was ein Tourist tun muss.

Mehr Wetter

Unser Schiff wird flankiert von zwei Tiefdruckgebieten. Das Hochdruckgebiet über heimatlichen Gefilden führt zu einem regen Luftmassenaustausch zwischen den dreien, als Bonus winkt das Tiefdruckgebiet über Island uns mit schäumenden Wellen über den Atlantik zu.

Kurz: Wir haben Sturm und Wellengang. Viel. Sehr viel.

Was wir auch haben: viel Platz beim Abendessen und an der Bar. Man tänzelt so durch das inzwischen vertraute, wankende Schiff. Das Abendunterhaltungsprogramm wurde wegen des Wetters auf den nächsten Tag verlegt, Deck 6 und 11 sind aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Wer nicht seekrank ist, verbringt seine Zeit mit Spiel, Spaß und Spannung in den Bars und träumt vom morgigen Landgang in Bodø.

Orga

Eine nicht so höfliche Möglichkeit, die Zeit auf einem wankenden Schiff zu verbringen, ist es, dem Personal beim Arbeiten zuzusehen.

Nach ein paar Tagen fällt auf: die arbeiten immer (12+ Stunden) und auch stets an den selben Positionen. Man spaziert morgens oben an Deck und der Typ, der die Poolbar öffnet, bringt dir 3 Stunden später einen Kaffee und abends ein Bier. Ich wette, der "Nice Indian Guy" legt danach noch eine Schicht im Crew-Nachtclub ein. Ist der Typ vielleicht ein Vampir...? Das gleiche in den Restaurants: die Typen, den du morgens begrüßt, begrüßt man am Abend wieder.

Und die bleiben so verdammt freundlich dabei! Ich hoffe, die bekommen alle am Monatsende einen angemessenen Batzen Kohle überwiesen, denn ansonsten kann ich so eine Reise nie wieder machen...

Das tägliche Personalkarusell in der sternförmigen AIDA Bar