Love Boat - The Real Story. Haugesund

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Tag 3. God morgen, Haugesund!

Wir legen pünktlich in Haugesund, unserem ersten und zugleich südlichsten Zwischenstopp, an und machen uns nach dem Frühstück zu unserem Landgang auf.

Haugesund havn

Wir schlendern durch die übersichtliche Innenstadt und nach dem üblichen Halt in der Touristeninformation, wir sind langjährig angelernte Individualtouristen, laufen wir zum kombinierten Monument Haraldshaugen (mit dem Obelisken Haraldstøtten) und Krosshaugen (mit dem Steinkreuz) in Erinnerung an die Herrschaft Königs Harald Hårfagre (Harald Schönhaar) und die Christianisierung des Landes.

Harald Hårfagre

Meine Mitreisenden entschließen sich zu einer Erholungspause nach dem Fußmarsch und ich versuche mich noch einmal an der Schlacht am Kuchenbuffet. Ich ziehe triumphierend mit Kuchen und Tee von dannen.

Dieser Teller wurde ohne Gewaltanwendung befüllt.

Am frühen Abend legen wir ab. Zum Abschied erfolgt das übliche Schallsignal '3x lang', gefolgt von Enyas "Orinoco Flow" und einem anderen musikalischen Begleitstück, das mir nicht bekannt ist. Uns steht sogleich der zweite Seetag bevor.

Abends frischt der Wind auf, im Nachhinein betrachtet läppische 7 Windstärken sorgen für die ersten Ausfälle bei den beiden männlichen Mitgliedern unserer Reisegruppe.

Das Rauschen des Meeres

Eine Schiffsreise unternimmt man vorsätzlich. Das Unterwegssein ist Teil der Destination. Die Umgebung Meer hat nachweislich positive entspannungsfördernde Effekte auf den Menschen, man kann Meeresrauschen auf Tonträgern erwerben oder aber einfach YouTube nutzen.

Das ist interessant, weil das Meer für den Menschen eigentlich ein lebensfeindliches Ökosystem voller Gefahren und damit eine natürliche Grenze darstellt. Wir empfinden das Rauschen des Wassers als faszinierend und verweilen im Starren auf die Bewegungen und Verwirbelungen der Wellen, die uns in Todesangst versetzen sollten, denn ohne den Schutz des Stahlkolosses um uns herum wären wir alle innerhalb von Minuten tot.

Friendship

Im Sommer bin ich einmal beim Segeln auf der Havel mit einem Freund in ein schnell durchziehendes, aber starkes Unwetter mit Windstärke 7 bis 9 geraten, das an Land schwere Schäden anrichtete. Wir konnten uns in einer Bucht positionieren, um mit minimaler Besegelung, eigentlich hätten wir noch eine weitere Reffstufe gebrauchen können, noch manövrierfähig zu sein und den Sturm über uns hinwegziehen zu lassen. Das hat auch gut funktioniert, war aber auch ziemlich abenteuerlich und hat uns ordentlich durchgeschüttelt und bis auf die Knochen nassgemacht.

Angesichts dieser Erfahrung schaue ich mir nun die Wellen an und versuche, das Gedankenspiel, das wir an Schönwettertagen auf dem Wasser gelegentlich durchsprechen, weiter zu denken. Also: wäre einem alles egal und würde das Boot Richtung New York nehmen, wie weit würde man mit der Nussschale (Friendship 24) kommen? Mit guter Vorbereitung und Equipment und etwas Glück mit dem Wetter kann man schon vorsichtig optimistisch werden, aber wenn es einen bei Windstärke 10 und 12 Meter hohen Wellen ausknockt oder von Deck haut, werden deine Überreste niemals irgendwo gefunden.

Das bringt mich zu einer weiteren Frage:

Wann fällt auf, dass einer fehlt?

Wie oft ich vor meinem Urlaub den Rat, nicht den Küblböck zu machen, gehört habe, habe ich nicht gezählt. Zur Info: Daniel Küblböck war eine Casting-Show-/Reality TV-Persönlichkeit, die im letzten Jahr eine letzte traurige Medienfußnote wurde, als sie von einem Kreuzfahrtschiff ins Meer sprang.

In einem Video eines Reisejournalisten wird erwähnt, dass jährlich bis zu 19 Personen weltweit von Kreuzfahrtschiffen verschwinden.

Von einem fahrenden Schiff aus auf dem Ozean ins Meer zu springen, ist eine sehr, sehr sichere Form des Selbstmords. Selbst wenn dies unter Zeugen geschieht, ist es nahezu unmöglich, einen Verunglückten im Auge zu behalten, falls dieser überhaupt noch bei Bewusstsein ist und wieder auftaucht, bis Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden. Jeder, der schon einmal ein "Mann/Boje über Bord"-Manöver gemacht hat, dürfte dies nachvollziehen können.

Geht man ohne Zeugen über Bord, fällt das zunächst gar nicht auf.

Das rote Telefon

Crew

Am schnellsten fällt vermutlich der Verlust eines Crewmitglieds auf. Die Leute, die täglich die Außendecks in Schuss halten, arbeiten meiner Beobachtung nach tendentiell in Zweierteams. Diese Prämisse angenommen fällt ein fehlendes Teammitglied je nach Aufgabenverteilung innerhalb einer Arbeitsschicht auf. Da die Jungs und Mädels hier aber keinen 9 to 5-Job absitzen, kann das auch schon mal ein halber Tag sein. Spätestens zum Arbeitsbeginn am nächsten Tag dürfte es auffallen.

Zeitfenster: 0,5 - 24 Stunden? Oder gibt es Meldeintervalle für Außendeckcrew?

Passagier

Hier muss man wohl zwischen Alleinreisenden und Nichtalleinreisenden unterscheiden.

Da man sich an Bord frei bewegen kann, niemand abgehaltene oder ausgefallene Mahlzeiten überprüft und auch nicht gezwungen werden kann, in Häfen an Land zu gehen, wird man spätestens beim Auschecken am Ende der Reise vermisst werden. Aber es gibt ja auch noch das Housekeeping. Melden die, wenn eine Kabine eine Weile ganz offensichtlich nicht benutzt wurde? Prinzipiell ist es ja möglich, dass die Person in einer anderen Kabine nächtigt oder gar aufgrund von Beschwerden möglicherweise nur noch auf einem Barhocker sitzend...wer weiß das schon? Preisfrage: Schlägt jemand vom Housekeeping Alarm und wenn ja, wann? Ab dem ersten, zweiten, dritten Tag...?

Zeitfenster: ein bis mehrere Tage.

Für Nichtalleinreisende gilt vermutlich der Grad der sozialen Bindung als ausschlaggebend. Auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es viele Rückzugsecken. Je größer das Schiff, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich nicht über den Weg zu laufen. Selbst auf der kleinen AIDAaura ist man neben bekannten Gesichtern auch bis zum Ende immer wieder neuen Mitreisenden begegnet, bei denen man hätte schwören können, diese in den vergangenen zwei Wochen noch nie gesehen zu haben.

Bei einem Ehepaar dürfte es bei der nächsten Mahlzeit, wohl spätestens bei angehender Nachtruhe, suspekt werden, wenn der andere abwesend ist. Bei einer losen Reisegruppe, die aus finanziellen Gründen gemeinsame Kabinen bezieht, mag eine Fremdübernachtung allein eventuell noch seltsam, aber unverdächtig erscheinen. Danach dürfte aber auch hier Unruhe aufkommen.

Zeitfenster: 1 bis 24 Stunden...?

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