Love Boat - The Real Story. Bergen

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Tag 13. Die Stadt des Regens

Boot und Bergen

Bei schönstem Sonnenschein fahren wir langsam in die Fjorde ein und legen gelassen in Bergen an. Wir haben nur ein paar Stunden Aufenthalt und da die jeder so gut wie möglich nutzen möchte, stürmen die Passagiere fluchtartig von Bord, sobald auf Deck 3 die Planke ausgefahren ist.

11th deck is best deck.

Regenfakten

Wie ist das denn jetzt mit dem Regen in Bergen? Einerseits heißt es, Bergen wäre die regenreichste Stadt Europas, dann wieder erzählen reproduzierbar Guides, darauf solle man nicht so viel geben, in Halle (Saale) würde es ja viel mehr regnen. Ja was denn nun?

Regentage und Regenmenge

In Bergen regnet es häufig. Auch wenn es in anderen europäischen Städten vergleichbar häufig oder gar an noch mehr Tagen im Jahr regnet, es regnet dann auch noch viel.

Bergen ist mengenmäßig die regenreichste Stadt Europas und damit zehntregenreichste Stadt weltweit. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 2.250 mm pro Jahr. Andere regenreiche Städte wie etwa Glasgow kommen mit mehr Regentagen (etwa 260) auf gerade mal etwas über 1.000 mm Niederschlagsmenge.

Wie ist das denn jetzt mit Halle?

Regen verhält sich zu Halle wie Spinat zu Eisen. Einmal hat sich irgendwo eine falsche Zahl eingeschlichen und zack: für immer im Regen stehen. Dass Halle die regenreichste Stadt Deutschlands oder gar Europas sein soll, erweist sich nach kurzer Suche als eine klassische Falschmeldung.

Die Quelle dieses Gerüchts ist vermutlich diese Statistik aus dem Jahr 2004, in der Halle a.d. Saale alle Städte der britischen Inseln hinter sich lässt und das, obwohl sich die Stadt im Regenschatten des Harz befindet. Sowohl die Anzahl der angeblichen Regentage stimmt nicht, auch die Regenmenge ist mit unter 500 mm pro Jahr deutschlandweit unterdurchschnittlich.

Today I learned:

Bergen IST die regenreichste Stadt Europas und wer das von Halle an der Saale behauptet, ist Fakenews aufgesessen!

Links

Auch mal nach unten schauen...

Fløyen

Mein gebuchter Ausflug wurde abgesagt. Für den geplanten Spaziergang auf dem Fløyberg hatten sich nicht genügend Leute gefunden. Damit habe ich eine Ausflugsquote von 1:3. Die Nordkapbesichtigung hatte glücklicherweise geklappt, die Trollfjordbootsfahrt leider nicht, da wir Sortland nicht anfahren konnten und nun das.

Eine kurze Recherche später entschließe ich mich dazu, den Fußmarsch einfach allein auf mich zu nehmen (Walk like a Norwegian up Floyen in Bergen). Ich laufe also los Richtung Innenstadt, ein wenig ziellos hin und her, um dann grob in Richtung Berg eingzuschlagen. Das ist auch nicht allzu kompliziert, da Bergen von sieben Hügeln umgeben ist, es also in jede Richtung irgendwo nach oben geht.

*Nur echt mit Möwe: Denkmal dem Dichter Ludvig Holberg zu Ehren.

Ich schlage also einen südöstlichen Wanderweg nach oben ein und auf halber Strecke fällt mir ein, dass ich eine wirklich gute Gelegenheit verpasst habe, Strava anzuwerfen. Irgendwann treffe ich auf den offiziellen Weg nach oben, auf dem viele Menschen in beide Richtungen unterwegs sind. Manche behaupten, ich hätte einen ziemlich schnellen Laufschritt. Diese Leute haben noch keine Norweger laufen sehen. Generell habe ich in der letzten Woche so viele Leute Hügel hoch- und herunterjoggen gesehen, dass ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass die Norweger ein sportbesessenes Volk sind. Hört auf, so fucking sympathisch zu sein, sonst komme ich wieder!

Ankes Tipp

Der Spaziergang hoch zum Fløyberg erfordert passendes Schuhwerk und ein wenig grundlegende Kondition, es sind schließlich 320 Höhenmeter bis zur Aussichtsplattform. Man sollte etwa 1,5 Stunden für den Aufstieg einplanen. Da, wenn man nicht auf einer ausgeschilderten Route unterwegs ist, gelegentlich in Sackgassen landet, ist es hilfreich, eine Karten-App zur Hand zu haben.

Jump around. 1004 km bis Berlin, 3 m bis zum Raucherbereich. Hanggrün.

Bye bye, Bergen

Der Sonnenuntergang macht Drama. Ja, ich möchte auch gern noch bleiben...

Am Abend verlassen wir Bergen und es manifestiert sich die Gewissheit, dass wir nun fast schon zu Hause sind. Wir gehen in die Bar und später für etwas Frischluft an Deck. Am Horizont winkt uns ein letztes mal schemenhaft das Polarlicht zum Abschied zu. Genug mit dem Kitsch jetzt.

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